Über dieses Buch
Philosoph:innen, Kognitions- und Neurowissenschaftler:innen sind sich keinesfalls darüber einig, ob der Mensch über einen freien Willen verfügt, noch, was dem Phänomen der Willensfreiheit überhaupt zuzurechnen ist und mit welchen Mitteln dies erforscht werden sollte. Dies scheint jedoch die meisten Menschen in ihrem Alltag kaum zu interessieren. Sie tun ganz einfach so, als ob der Mensch über einen freien Willen verfügte, auch wenn diese Frage nicht letztgültig geklärt scheint. Ähnlich argumentiert der Philosoph Hans Vaihinger in seinem Hauptwerk Die Philosophie des Als Ob, in dem er darlegt, dass metaphysische Ansichten nicht in einem logisch-objektiven Sinne wahr seien, sondern nur pragmatisch begründet werden könnten: Metaphysische ‚Wahrheiten‘ existierten nur im Sinne einer ‚nützlichen Fiktion‘. Martina Clavadetschers 2021 erschienener Roman Die Erfindung des Ungehorsams nimmt sich dieses Phänomens an, indem er – so die These dieses Aufsatzes – das Konzept der Willensfreiheit als Produkt von Als-Ob-Erzählungen präsentiert. Dabei liegt ein besonderer Fokus des Aufsatzes auf den Diegese-Ebenen, auf der Funktionen des Erzählaktes an sich sowie auf der dargestellten Aufhebung von binären Schemata wie der Dichotomie Mensch/Maschine.

