Über dieses Buch
Indem Kazuo Ishiguro in seinem Roman Klara and the Sun eine Künstliche Intelligenz – Klara – zur Erzählinstanz erhebt, eröffnet sich eine radikal alternative Perspektive auf das Menschsein sowie auf die kategorialen Unterscheidungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteurinnen und Akteuren. Der vorliegende Beitrag analysiert die narrativen Strategien, die es ermöglichen, die Funktionsweisen und Wahrnehmungsprozesse dieser KI erfahrbar zu machen und für Leserinnen und Leser nachvollziehbar zu inszenieren. Es wird argumentiert, dass Klara im Sinne Bruno Latours als eine „Black Box“ verstanden werden kann – als ein epistemisches Objekt, dessen innere Abläufe normalerweise verborgen bleiben, hier jedoch literarisch zugänglich gemacht werden. Der literarische Einblick in diese „Black Box“ eröffnet neue Möglichkeiten, nicht-menschliche Wahrnehmungssysteme zu reflektieren und tradierte anthropozentrische Selbstbilder kritisch zu hinterfragen. Das angestrebte posthumanistische Lektüremodell versteht sich als theoretische Intervention, die zentrale Fragen nach Wirklichkeit, Wahrheit und Subjektivität dezentriert und im Spannungsfeld von Literatur, Wissenschaft und gesellschaftlichem Diskurs neu verhandelt.

