Über dieses Buch
Der Beitrag analysiert Martina Clavadetschers Roman Die Erfindung des Ungehorsams (2021), der nicht nur von künstlichen Menschen handelt, sondern sich selbst als von einer Maschine produzierten Text inszeniert. Die Vision der Mathematikerin Ada Lovelace von einer sich selbst durch Sprache ermächtigenden Maschine erfüllt sich auf unerwartete Weise: Verschachtelte Erzählebenen führen von Ada im 18. Jahrhundert zum 20. Jahrhundert, in dem die chinesische Fabrikarbeiterin Ling eine lebendige Sexpuppe programmiert, die sich in der ersten Erzählerin Iris reinkarniert. Der Roman reflektiert als Phänomenologie seiner selbst seine eigene Künstlichkeit und erzeugt metatextuell neue mediengeschichtliche wie wissenschaftstheoretische Semiosen. Die anthropologische Grundfrage, was der Mensch sei, wird weder durch den Roman noch die nachfolgende Analyse beantwortet, sondern neu und vertieft gestellt.

